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Mediation im Fremdsprachenunterricht

Was ist damit gemeint?

Mediation im Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen

Im Begleitband zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (2020) wurde das Konzept der Mediation/Sprachmittlung durch differenzierte Skalen und Deskriptoren ergänzt. Im Kontext der Fremdsprachendidaktik kann unter Mediation jede Form von Kommunikation und/oder Vermittlung zwischen Kommunikationspartner/-innen verstanden werden, die nicht in der Lage sind, einander direkt zu verstehen: „Bei Mediation agieren die Nutzenden/Lernenden als sozial Handelnde, die Brücken bauen und dazu beitragen, Bedeutung zu konstruieren und zu vermitteln, manchmal innerhalb einer Sprache, manchmal zwischen Modalitäten (z. B. von gesprochener Sprache zu Gebärdensprache oder umgekehrt in modalitätsübergreifender Kommunikation) und manchmal von einer Sprache zur anderen (sprachübergreifenden Mediation)“ (Council of Europe 2020: 112). Nicht mehr der Sprachwechsel, sondern soziale und kulturelle Aspekte bilden die wesentliche Grundlage von Mediationsaktivitäten. Dabei werden die Skalen drei Gruppen zugeordnet:

  • Mediation von Texten (z. B. spezifische Informationen weitergeben, Daten erklären, einen geschriebenen Text übersetzen …)
  • Mediation von  Konzepten (z. B. Interaktion und Zusammenarbeit in einer Gruppe erleichtern, eine Gruppe anleiten …)  
  • Mediation von Kommunikation (z. B. Kommunikation in heiklen Situationen und bei Meinungsverschiedenheiten erleichtern …)

Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen

Begleitband | ISBN 978-3-12-676999-0

Der Begleitband zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen ist eine Ergänzung und Aktualisierung des bestehenden Referenzrahmens aus dem Jahr 2001. Die deutsche Übersetzung des Begleitbandes erschien im Auftrag des Goethe-Instituts im Mai 2020. Eine wichtige Erweiterung stellt das umfassende Konzept von Mediation dar, das nicht nur kognitive, sondern auch beziehungsrelevante Mediation mit einschließt, die über die Bereiche des Sprachmittelns, Übersetzens und Zusammenfassens deutlich hinausgeht.

Erfahren Sie mehr über das Konzept der Mediation im DaF-Unterricht

Download: Anhang 5 – Beispiele für den Gebrauch der Deskriptoren für Online-Interaktion und Mediationsaktivitäten

Einen Einblick in den erweiterten Ansatz von Mediation im Begleitband zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) erhalten Sie auf der Seite des Goethe-Instituts:
Mediation: Kognitiv und beziehungsrelevant – Wie funktioniert das eigentlich?

 

Mediation und ihre Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht

Dr. Rudi Camerer, Übersetzer des Begleitbands zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen, erklärt im Interview die wichtigsten Neuerungen des GeR und wie sie den Fremdsprachenunterricht verändern.

Herr Dr. Camerer, Anfang 2020 erscheint der neue Begleitband zum Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen, 2017 ist bereits der „Companion“, die englische Ausgabe erschienen. Warum gibt es eigentlich einen Begleitband?

Die erste Frage ist, warum der Europarat vom „Begleitband“ spricht. Ich vermute, das hat mit Sprachenpolitik zu tun und der Tatsache, dass der GeR in den Jahren nach 2001 von so vielen Regierungen übernommen wurde. Heute gibt es 40 Übersetzungen des GeR, darunter ins Arabische, Chinesische, Japanische und Koreanische. Im Übrigen bietet der „Begleitband“ viel mehr als das Wort vermuten lässt. Allein schon sein Umfang weist darauf hin. Dass der Europarat das Thema jetzt erneut aufgegriffen hat, ist v.a. eine Reaktion auf die Fachdiskussionen seit 2001 und mehrere berechtigte Kritikpunkte am ursprünglichen GeR.

Hier können Sie den ganzen Artikel lesen: Klett Tipps 68 – Im Gespräch: Wie verändert der erweiterte GeR den Fremdsprachenunterricht?

Mediation und ihre Umsetzung in DaF-Lehrwerken

 

Helen Schmitz und Paul Rusch, Mitautorin und Mitautor von Netzwerk neu, sprechen darüber, was mit Mediation gemeint ist und wie man sie in einem Lehrwerk umsetzen kann.

„Was genau ist eigentlich diese Mediation, die bereits im Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) von 2001 beschrieben ist und nun – in der Erweiterung zum Referenzrahmen – genauer definiert wird? Ist sie gleichzusetzen mit der klassischen Übersetzung oder gar dem Dolmetschen? Oder ist damit die Tätigkeit von Mediatoren und Mediatorinnen gemeint, die aus neutraler Perspektive bei Problemen und Konflikten zwischen zwei Parteien vermitteln?"

„Die Antwort lautet: Ein bisschen von allem. Die Grundidee der Mediation im Referenzrahmen von 2001 ist folgende: Jemand vermittelt Inhalte für eine Person, die etwas aufgrund von sprachlichen Problemen nicht versteht. Diese Vermittlung kann nicht nur zwischen zwei Sprachen erfolgen, sondern auch innerhalb einer (Fremd-/Zweit-)Sprache. Stellen Sie sich z. B. einen Sprachkurs mit Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Herkunftsländern vor. Sie erklären im Kurs etwas und ein Teilnehmender hat es nicht verstanden und fragt seinen Nachbarn/ seine Nachbarin. Die einzige Sprache, die beide Personen gemeinsam sprechen, ist Deutsch, das sie gerade gemeinsam im Kurs lernen. Das bedeutet, die erklärende Person kann nicht einfach in einer den beiden vertrauten Sprache (der Muttersprache oder z.B. Englisch) wiederholen, was Sie gesagt haben, sondern sie erklärt auf Deutsch. Anders als beim Übersetzen oder Dolmetschen geht es also nicht darum, möglichst wortgetreu Sprache in eine andere zu übertragen, sondern es geht darum, die für den Empfänger wichtigen Inhalte so wiederzugeben, dass er oder sie diese verstehen kann.“

Hier können Sie den ganzen Artikel lesen: Klett Tipps 68 – Mediation und ihre Umsetzung in Netzwerk neu


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